24. Internationaler Kongress Renovabis

Impressionen der Stabübergabe von Pfarrer Dr. Christian Hartl an seinen Nachfolger Prof. Dr. Thomas Schwartz sowie einen kurzen Videoclip finden Sie auf einer eigenen Seite:
Der diesjährige Internationale Kongress Renovabis fand statt am 15. und 16. September 2021 zum Thema „‚Alle sollen eins sein‘. Ökumene in Mittel- und Osteuropa – Aufgabe und Bereicherung“ – in diesem Jahr als Hybridveranstaltung. Aufgrund der Vorgaben durch die Corona-Pandemie konnte in Berlin leider nur eine begrenzte Zahl von Personen teilnehmen.
Bei der Umsetzung der Thematik „‚Alle sollen eins sein‘. Ökumene in Mittel- und Osteuropa – Aufgabe und Bereicherung“ wurden Fragen des konfessionellen Miteinanders zwischen katholischen, evangelischen und orthodoxen Christen angesprochen, wichtig war aber auch der Diskurs über die Ökumene im Alltag. Angesichts der Pandemie wurden die Kirchen vor neue Herausforderungen gestellt, wie Seelsorge, Katechese und Gottesdienste organisiert werden können, oft im ökumenischen Miteinander. Gleichzeitig – und auch das war Thema – bestehen weiterhin in vielen Ländern Spannungen zwischen den Konfessionen, deren Ursachen vielfach historisch bedingt sind; Beispiele dafür sind etwa Rumänien und die Ukraine.
Zum 25. Kongress hat Renovabis ein Experiment gewagt: ein Barcamp gleichzeitig präsent und online. „Ökumene lebt von der Begegnung“ hatte Kardinal Kurt Koch zum Auftakt des Kongresses betont und genau dafür bot das Barcamp den Raum. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Renonvabis-Kongresses waren eingeladen, sich mit ihrer Ökumene-Expertise, ihren Erfahrungen, Fragen und Projekten zu präsentieren und darüber ins Gespräch zu kommen.
Die Einladung stieß auf große Resonanz und so wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern insgesamt 22 Online- und Hybrid-Sessions angeboten. Das Themenspektrum reichte von Überlegungen zum Ökumene-Begriff über praktische Fragen der Pastoral, Herausforderungen in säkularen Gesellschaften, ökumenische Bemühungen in postethnischen Konflikten bis zum Konzept einer Rezeptiven Ökumene.
Die Abschlussrunde spiegelte die engagierte Beteiligung der Kongress-Gäste und das hohe Diskussionsniveau wider. Einige Schlaglichter: Ehrlichkeit als einer der zentralen Begriffe in den Bemühungen um ein ökumenisches Miteinander. Ohne sie kann man nicht zu den schwierigen Fragen vordringen und es besteht die Gefahr, bei einer Wohlfühl-Ökumene stehen zu bleiben. Das Konzept der „Rezeptiven Ökumene“ von Paul Murray setzt auf Ressourcenorientierung: Wie können die Kirchen sich der gegenseitigen Stärken bewusst werden und besser voneinander lernen? Diskutiert wurde auch das Verhältnis von „Graswurzel-“ und „Experten-Ökumene“: Während einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer hervorhoben, wie unkompliziert an der Basis, etwa in Pfarreien oder unter Jugendlichen, die Ökumene gelebt wird, wiesen andere darauf hin, dass eine Ökumene ohne theologische Expertise in Häresie münden würde.
In einer kurzen Feedback-Runde zeigte sich, dass das Barcamp-Experiment geglückt ist.
Ein Film des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen
Berlin (KNA)
Kirchenvertreter aus Mittel- und Osteuropa haben die wachsende Bedeutung der ökumenischen Beziehungen in der Region hervorgehoben. Angesichts von immer mehr konfessionslosen Menschen werde ein enges Verhältnis zwischen katholischen, evangelischen und orthodoxen Christen immer wichtiger, sagte der Berliner Erzbischof Heiner Koch am Mittwoch beim Auftakt eines internationalen Kongresses des katholischen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis. In der Deutschen Bischofskonferenz ist Koch für Renovabis zuständig. Der Belgrader katholische Erzbischof Stanislav Hocevar erklärte, für die Völker auf dem Balkan sei es das größte Problem, zu einer einheitlichen Interpretation ihrer konfliktreichen Geschichte zu kommen. Dafür seien Begegnungen und Dialoge notwendig, die von Renovabis gefördert würden, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz für Serbien und Montenegro, der dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen angehört. Die Äbtissin der Prager Benediktinerinnenabtei Venio, Francesca Simuniova, betonte, in ihren ökumenischen Beziehungen müssten die Christen Vorbilder darin sein, Besonderheiten wechselseitig zu respektieren. Dann hätten sie auch eine missionarische Ausstrahlung" auf anderen Menschen. Der russisch-orthodoxe Theologe Evgeny Pilipenko vom Moskauer Patriachat warnte vor einer abgehobene Form der Ökumene, die nur von Fachleuten getragen werde. Die Beziehungen zwischen den Kirchen müssten stärker auch in den Gesellschaften der beteiligten Länder verankert werden. Der scheidende Renovabis-Hauptgeschäftsführer Christian Hartl betonte, im Rahmen des Hilfswerks sei "ein Netz von Beziehungen und Freundschaften gewachsen, in dem auch kontroverse Themen diskutiert werden können". Überdies trete Renovabis "anwaltschaftlich" für die Anliegen der Menschen im Osten Europas ein, die im Westen oft zu kurz kämen. Hartls Nachfolger ab 1. Oktober, Thomas Schwartz, erklärte, das Hilfswerk sehe seine Partner nicht als "Bittsteller", sondern fördere deren Projekte "auf Augenhöhe".