Verhältnis auf dem Prüfstand – Ungarns EU-Ratspräsidentschaft 2024

Die Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ (OWEP) wird gemeinsam von Renovabis und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken herausgegeben und erscheint vierteljährlich mit einem neuen Themenschwerpunkt. Alle Beiträge in „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ stammen von renommierten Autorinnen und Autoren, die für einen hohen Informationsgehalt und eine anspruchsvolle Darstellung bürgen. Neben westlichen Autoren kommen zunehmend auch Schriftsteller, Kirchenvertreter und Wissenschaftler aus den östlichen Nachbarländern zu Wort. Sie vermitteln Vorgänge und Probleme aus „Insider-Sicht“ und ermöglichen dem Leser neue Einblicke; so bildet jedes Heft eine solide und vielseitige Informationsbasis für alle, die aktuelle Entwicklungen besser verstehen und als Christen das neue Europa mitgestalten wollen.
OWEP berichtet über Veränderungen in Mittel- und Osteuropa, bietet fundierte und kompetente Informationen jenseits der Schlagzeilen und erscheint 4 mal jährlich.
Auf der Internetseite www.owep.de haben Sie die Möglichkeit, gezielt einzelne Hefte zu bestellen oder ein Abo einzurichten. Außerdem gibt es viele Artikel im Volltext zu lesen.
Das Prinzip der Unantastbarkeit der Würde des Menschen ist allgegenwärtig, es scheint beinahe selbstverständlich, jedem Menschen Würde zuzuerkennen – in der Theorie. Doch Kriege, Ausbeutung oder Diskriminierung machen immer wieder deutlich, wie verletzlich dieses Prinzip in der Realität doch ist. Die neue Ausgabe der Zeitschrift OWEP betrachtet die Lage im Osten Europas – und nicht ohne Grund trägt der Titel auch das Wort „Herausforderungen“.
In ihrer Einführung in das Thema legt die Sozialethikerin Ingeborg Gabriel ein besonderes Augenmerk auf das christliche Verständnis der Menschenwürde, das in den aktuellen Debatten mit seinem universalen Anspruch einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten könne. Dennoch zeigt sich im ökumenischen Dialog, dass es kein einheitliches Verständnis von Menschenwürde innerhalb des Christentums gibt, sondern ein Spannungsfeld zwischen politischen und religiösen Interessen, wie die finnische Theologin Heta Hurskainen darlegt.
Das Heft listet zahlreiche Beispiele auf für die Gefährdung der Menschenwürde: So analysiert der Journalist Andreas Kunz am Beispiel des Roma-Viertels Stolipinowo in der bulgarischen Stadt Plowdiw, wie diese Bevölkerungsgruppe diskriminiert wird. Er erläutert, warum auch die Ernennung Plowdiws zur Kulturhauptstadt Europas 2019 kaum etwas geändert hat. Burkhard Haneke, ehemaliger Geschäftsführer von Renovabis, schildert das große Leid der Frauen und Mädchen, die Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution werden und nicht selten aus dem Osten Europas nach Deutschland kommen.
Wie dramatisch und unmenschlich die Haftbedingungen politischer Gefangener in Belarus sind, beschreibt die Menschenrechtsanwältin Natallia Vasilevich. Die Historikerin Sabina Ferhadbegović erinnert in ihrem Beitrag an den Völkermord in Srebrenica, der sich im Juli 2025 zum 30. Mal jährt. Die juristische Aufarbeitung ist weitgehend abgeschlossen, doch Serbien weigert sich bis heute, die Verbrechen als Genozid anzuerkennen. Regina Elsner, Professorin für Ostkirchenkunde und Ökumenik in Münster und Redaktionsmitglied, beleuchtet die „Revolution der Würde“ in der Ukraine, wo das fundamentale Einstehen für die Menschenwürde den Protest angetrieben habe.
Doch es gibt auch Hoffnung: So hat OWEP-Chefredakteurin Gemma Pörzgen in Banja Luka mit der Direktorin eines Caritas-Altenheims gesprochen, in dem Versöhnung und gegenseitiger Respekt die Menschenwürde in einer multikulturellen Gemeinschaft stärken – und sie stellt ein Leuchtturmprojekt in Georgien vor: Das Tageszentrum für behinderte Menschen in Achalziche gilt als Modelleinrichtung zur Rehabilitation und Inklusion.